Von einer Schublade in die nächste
Hannah Schlubecks musikalisches Programm
Was zurzeit in den USA passiert, ist ziemlich furchterregend: trans* Menschen überlegen, die Staaten zu verlassen, es könnte bald eine Fluchtbewegung geben, weil sich gesellschaftlich wie politisch so viel gegen sie wendet. Ausreisen können sie aber oft nicht, da ihre Pässe für ungültig erklärt wurden. In Deutschland gibt es ebenfalls Grund zur Sorge, berichtet Hannah Schlubeck, schließlich schwappt die Stimmung von Amerika rüber nach Europa.
Als Panflötistin wird Hannah Schlubeck sogleich in eine weitere Schublade gesteckt: Weil es mal eine Zeit gab, in der an jeder Ecke in jeder Innenstadt eine Musikgruppe die Menschen mit Panflöten-Songs nervte, hat das Instrument einen gewissen Ruf. Der färbt auf die Musikerin ab, sie wird zur „Pfeife“, wie sie sich humorvoll selbst nennt. Dabei spielt Hannah Schlubeck virtuos die rumänische Panflöte, die ganz anders aussieht und klingt als die bekannten Flöten aus Lateinamerika. Und auch die Stücke sind ganz andere als „The Lonely Shepherd“ oder „El Condor Pasa“, die allen zu den Ohren rauskommen: Hannah Schlubeckspielt Klezmer, traditionelle rumänische Stücke, Jazz und tritt mit einem Orchester, der Wuppertaler Kurrende oder als Special Guest bei den Orgeltagen auf. Mit Straßenmusik hat das nichts zu tun.
Und schließlich wird Hannah Schlubeck schon ihr Leben lang aufgrund ihrer Behinderung in eine weitere Schublade gesteckt – im Alltag sammelt sie ziemlich viele Erfahrungen darin. So wird es zu einem interessanten Erlebnis, wenn sie ihren Führerschein zeigt, erzählt sie: „Das deutsche System kann nicht so gut mit Sonderfällen umgehen.“ Diese Geschichten aber nimmt sie mit Humor.
Etwas aus allen drei Schubladen bringt die Wuppertalerin mit Pianist Thorsten Schäffer zum Programm „Schubladendenken“ mit – das sich übrigens einer Einsortierung in solche Schubladen entzieht: Denn es ist gleichzeitig Konzert und Kabarett, persönlich und politisch, voller Klischees und gleichzeitig frei davon, weil es Hannah Schlubecks eigenes Ding ist.
Dass die Premiere am Donnerstag, 5. Januar, um 19.30 Uhr in der Färberei stattfindet, freut Hannah Schlubeck zusätzlich. Vor etwa 30 Jahren, als die Färberei gerade ihre Türen geöffnet hatte, hat die Panflötenvirtuosin hier bereits gespielt. Und obwohl die Musikerin inzwischen im Kreis Höxter und damit „irgendwo im Nirgendwo“ lebt, freut sie sich immer wieder, nach Wuppertal zurückzukommen.
Tickets für „Schubladendenken“ am Donnerstag, 5. Februar, um 19.30 Uhr in der Färberei gibt es bei wuppertal-live.de. Sie kosten 15 Euro, ermäßigt 10 Euro, im Vorverkauf oder 18 und 12 Euro an der Abendkasse.