Jedem Wetter trotzen
Café Barocco am Berliner Platz

Das Eiscafé Barocco liegt praktisch im Bermuda-Dreieck zwischen Oberbarmer Bahnhof, der Schwebebahn-Endhaltestelle und der Berliner Straße – und dadurch auf dem Weg vieler Pendler*innen, vieler Jugendlicher, einiger Tourist*innen und der Alteingesessenen. Das ganze Jahr über öffnet die Wuppertalerin die Türen des Barocco, jeden Tag in der Woche, Winter wie Sommer.
Sie trotzt damit dem manchmal rauen Wetter, wenn Wind und eisiger Regen durch das Tal fegen. An heißen Tagen spannt sie den Sonnenschutz auf und macht Schatten für die Gäste, während die Kinder über den Berliner Platz toben können. Immer mittwochs, sagt sie, ist im Café Barocco am meisten los: Denn dann ist Markt in Oberbarmen, neben dem Hähnchen-Grill gibt es Kleidung, Obst und Blumen zu kaufen.
„Man lernt sehr nette Leute kennen“, findet Isabell Hanisch, die für das Gespräch an einem ihrer Tische sitzt. Im Hintergrund reihen sich die typischen bunten Eisbecher aneinander, die Kaffee-Maschine brummt leise und die Glastheke präsentiert die Eissorten. Im Jahr 2005 hat sie das Café geöffnet – und das war gar nicht so einfach, erzählt sie. Ihr Lebenspartner damals lässt sie für eine jüngere Café-Mitarbeiterin sitzen – auf 170.000 Euro Schulden, die sie für das Barocco gemeinsam aufgenommen hatten. Die damals 15-jährige Tochter der beiden bleibt prompt in der Schule sitzen – aber sie fängt sich schnell. Und auch Isabell Hanisch macht weiter, arbeitet jeden Tag hart, hat Unterstützung von ihrer Mutter und ist eines Tages schuldenfrei. „Als die letzte Rate bezahlt war, habe ich natürlich eine Champagner-Flasche geöffnet“, erzählt sie. Denn das hatte sie sich geschworen.
Vielleicht liegt es daran, dass sie weiß, wie hart das Leben sein kann, dass das Café Barocco nun zu einem wichtigen Ort für Oberbarmen geworden ist: Isabell Hanisch kümmert sich um die Gäste – um alle Gäste. Wenn jemand eine Wohnung braucht, hilft sie bei der Suche. Wenn ein Elektrogerät von einem Gast kaputtgeht, fragt sie rum, bis ein neuer Herd oder eine neue Waschmaschine gefunden ist. „Man versucht, allen zu helfen“, sagt sie, und für sie ist es das Normalste der Welt.
Dem schlechten Ruf des Berliner Platzes hat sie einiges zu entgegen: Weil die Polizei hier häufig vorbeikommt, fühlt sie sich hier sicherer als an manchen Ecken in Elberfeld. Überfälle gebe es überall, erstochen oder erschossen wurde hier noch niemand – das sei woanders schlimmer. Und manche der Jugendlichen, die hin und wieder Mist bauten auf dem Platz, blieben unter sich. „Ich bin hier seit mehr als 20 Jahren und mir ist nie was passiert“, erklärt Isabell Hanisch. Wenn auf dem Platz jemand stürzt, kommt sofort Hilfe. In der Hinsicht sei der Berliner Platz vielleicht der sicherste Ort in Wuppertal, findet die Café-Besitzerin. Auch der Wochenmarkt und der Spielbereich sowie die Angebote im Sommer und die Kirmes tragen zur Freundlichkeit des Platzes bei. Genau wie die Feste, die im Barocco gefeiert werden: Jeden Monat kommt zum Beispiel der Wuppertiger und spielt hier Schlager, was vor allem im Sommer draußen richtig gut ankommt. Demonstrationen und Feiern liefen in Oberbarmen immer friedlich ab.
Isabell Hanisch ist nicht nur Fan von Oberbarmen, sondern auch eine Institution hier am Platz. Das Café Barocco ist hier nicht mehr wegzudenken – nicht nur, weil es einige Eisbecher und Kaffeespezialitäten gibt, sondern vor allem, weil das Café so wichtig ist für den Berliner Platz. Und das jeden Tag von 9 bis 20 Uhr – im Sommer sogar bis 22 Uhr.