„Bruder, du brauchst Hilfe!“

Emma Lindemann macht Stadtteilarbeit

An einem Tisch mit Flyer darauf sitzen eine Frau und ein Mann.
Foto: Daniela Raimund

Manchmal ist eine Tasse Kaffee alles, was man braucht. Und ein offenes Ohr. Beides hält Emma Lindemann bereit: Sie macht für die Färberei Stadtteilarbeit, indem sie da ist und zuhört. Durch viele Gespräche will sie herausfinden, „was das Viertel braucht und was es will“. 

 

Vielleicht braucht Oberbarmen einen Ort, an dem Mütter in Sicherheit stillen und alle anderen Menschen ein bisschen Ruhe finden? Oder will der Stadtteil lieber einen Treffpunkt, an dem regelmäßig Tanzveranstaltungen stattfinden? Oder wünschen sich die Jugendlichen einen Raum, in dem sie ihren Interessen nachgehen und zum Beispiel Kampfsport oder ihre Fingernägel machen? 

 

„Ich frage die Leute immer, was sie an Oberbarmen mögen – und es gab nur zwei Fälle, in denen jemand ,gar nichts‘ geantwortet hat“, berichtet Emma Lindemann von den vielen Gesprächen, die sie seit Juli führt, um für die Färberei die Perspektive der Menschen aus dem Stadtteil zu vertreten. Und dabei scheint eines das Wichtigste zu sein: „Ich bin einfach da.“ Oft reicht die Präsenz der Theaterpädagogin schon aus, damit die Menschen zu ihr kommen und erzählen.  

 

Manche winken Emme Lindemann auch im Vorübergehen zu, weil sie sie schon kennen von den Angeboten, die es für den Stadtteil bereits gibt: die Essens-Ausgabe am Montagmittag, der Kreativnachmittag, derSpieletreffen dienstags und freitags oder das Eltern-Kind-Café mittwochs zwischen 9 und 12 Uhr. Alle Angebote sind kostenlos, weil Geldsorgen eine große Rolle für Oberbarmen spielen. Und auch der Wunsch nach einem Kita-Platz, einem Sprach-Café oder Hausaufgaben-Betreuung besteht hier im Stadtteil, „weil Armut einfach andere Probleme bedingt“. Viele Menschen äußern den Wunsch, Unterstützung und Beratung für alle möglichen Ämtern zu bekommen. 

 

Emma Lindemann stellt immer wieder fest, dass Oberbarmen trotz des Stigmas, das ihm anhaftet, bei den Oberbarmer*innen selbst einen guten Ruf hat: Sie schätzen die Vielfalt, die Lebendigkeit des Stadtteils. „Und hier gibt es eine starke Solidarität: Einmal ist ein Mann umgekippt – da kamen sofort fünf Leute und haben sich gekümmert. Ein paar Jugendlichen sagten ganz besorgt: ,Bruder, du brauchst Hilfe‘.“ 

 

Bis zum Sommer läuft das Projekt „Gemeinsam im Quartier“ noch, über das die Statteilarbeit finanziert wird. Hoffentlich wird es danach noch fortgesetzt, um herauszufinden, was für ein Stadtteilzentrum wirklich nötig ist. Von einer Sauna- und Wellnessoase für Oberbarmen bis zu einer Shisha-Bar haben die Menschen, die sich mit Emma Lindemann unterhalten, auf jeden Fall genug Ideen und Wünsche für ihren lebendigen, vielfältigen und solidarischen Stadtteil. 

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