„137 Jahre sind mir zu lang“

Feministische Lesebühne

Eine Frau hält ein Mikrofon in der Hand und hebt die linke Hand
Foto: Mediamieze

Anna Lisa Tuczek redet wahnsinnig schnell. Alle, die sie kennen, wissen das. Und diese Höchstgeschwindigkeit ist auch gar kein Problem, solange man nicht mitschreiben muss. (Wenn doch, stößt man an die eigenen oder die Grenzen des Bleistifts.)  

 

Die Slam-Poetin und Wort-Künstlerin sowie Moderatorin jedenfalls legt dieses Tempo vor, weil sie vermutlich noch schneller denkt als sie spricht. Und vielleicht auch, weil sie ein bisschen ungeduldig ist. Deshalb will sie nicht 137 Jahre auf Gleichberechtigung warten. Denn so lange würde es dauern, bis die Geschlechter wirklich gleichberechtigt sind, wenn Gesellschaft und Politik das aktuelle Tempo beibehalten. Wobei in dieser Rechnung noch nicht die Rolle rückwärts einbezogen ist, zu der die Gesellschaft hinsichtlich Geschlechterstereotype zurzeit ansetzt. 

 

 „137 Jahre! Das ist mir zu lang“, sagt Anna Lisa Tuczek und hat natürlich recht. Das ist definitiv zu lang – auch für Menschen, die deutlich langsamer denken, sprechen und ihren Bleistift im Vergleich zu Anna Lisa Tuczek in Zeitlupe übers Papier schieben. Doch es gibt auch eine Lösung, zu der Daniela Raimund, künstlerische Leiterin der Färberei, die wortgewandte Moderatorin eingeladen hat: eine feministische Lesebühne mit vielen Freiheiten, Interaktion mit dem Publikum und jeweils unterstützt von Gäst*innen aus Comedy, Poetry Slam, Musik. 

 

„Die Veranstaltung ist interaktiv“, sagt Anna Lisa Tuczek. „Es wird keine Bewertung geben wie man es vom Poetry Slam kennt, aber bestimmt ein Quiz, eine Power-Point-Karaoke-Session oder Bullshit-Bingo.“ Außerdem darf das Publikum Fragen stellen und sich Themen wünschen. „Ich nehme aus jedem Abend drei Wörter aus dem Publikum mit und bereite zu ihnen für die nächste Lesebühne – es ist ja eine Reihe – entweder ein Musikstück oder einen Text vor.“  

 

Wichtig ist der Wahl-Wuppertalerin, dass die feministische Bildung ihren erhobenen Zeigefinger verliert, dass die Veranstaltungsreihe Spaß macht, aber dass das Publikum mit ein bisschen mehr feministischem Wissen nach Hause geht: „Die Leute sollen auch gewappnet werden mit Argumenten und Gegenbeweisen, wenn mal wieder jemand was sagt wie: ,Öh, wir sind doch alle längst gleichberechtigt.‘ Weil nein, das sind wir nicht!“ 

 

Die Feministische Lesebühne „Zwischen Tinder und Tupperdosen“ findet am Mittwoch, 25. Februar, um 19.30 Uhr zum ersten Mal statt. Infos und Tickets gibt es bei wuppertal-live.de 

Übrigens: Es dürfen alle kommen und mitreden – Damen, Herren sowie alle dazwischen und außerhalb. Auch, wenn sie nur halb so viele Wörter pro Minute schaffen wie Anna Lisa Tuczek. 

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